Jugendliche unterwegs in Japan mit der deutschen Sportjugend

Jugendliche aus der Verbandsgemeinde Wallmerod waren drei Wochen in Japan. Sie nahmen an dem deutsch – japanischen Simultanaustausch der deutschen Sportjugend teil. Die Gruppe, zu der die Wallmeröder gehören, wird in diesem Jahr von der Sportjugend Rheinland Pfalz geleitet. Die Landessportjugend vermittelt die Gruppenleiter. In diesem Jahr wurde die Leitung vom Schützenverein „Tell“ aus Hundsangen gestellt.

Da das Vereinsmitglied Marion Schmidtke auch gleichzeitig Jugendpflegerin der Verbandsgemeinde Wallmerod ist, konnte hier eine Kooperation zwischen Ehren – und Hauptamt geknüpft werden. Da die Teilnehmerzahl für Rheinland – Pfalz jedes Jahr bei 5 Jugendlichen liegt, konnte die Verbandsgemeinde Wallmerod alle 5 Plätze an Jugendliche aus ihren Ortsgemeinden vermitteln. Aus Wallmerod nahmen Ariane und Leonard Malinowsky, aus Hundsangen Philipp Hannappel und aus Dreikirchen Patrizia und Sabrina Ginko teil. Alle Jugendlichen hatten in den Vorjahren bereits Japaner im Rahmen des Austausches aufgenommen.

Nach zwei Vorbereitungswochenenden in Limburg und Blossin (Brandenburg) ist die Gruppe Rheinland – Pfalz / Saarland gemeinsam mit weiteren 110 Jugendlichen aus ganz Deutschland in das Land der aufgehenden Sonne am 22. Juli 2009 gestartet. Die erste Station war Kyoto die alte Kaiserstadt. Hier haben alle Teilnehmer gemeinsam den Austausch offiziell eröffnet. Nach verschiedenen Referaten zur Situation der Japanischen Sportjugendorganisation und des Japanischen Jugendsports, war für die Teilnehmer eine große Sightseeing – Tour vorbereitet. Hier konnten der Goldene Pavilion (Kinkakuji Tempel), das Schloss Nijo (Ninja Schloss) und der Kiyomizu Tempel besichtigt werden.

Am nächsten Tag ging es in das Regionalprogramm. Alle Gruppen werden auf ganz Japan verteilt, Rheinland – Pfalz / Saarland verbringt die Regionalzeit immer auf der Insel Shikoku. Sie besteht aus vier Präfekturen, die alle besucht werden. In diesem Jahr war Kochi die erste Präfektur. Hier wurden die Jugendlichen herzlich empfangen. Gleich mehrere Programmhöhepunkte begeisterten hier die Jugendlichen. In einem Dijo der Mittelschule konnten sie an einer Übungsstunde in Kondo teilnehmen. Eine gemeinsame Kanufahrt auf dem Meer, Muschel- und Korallensuche inbegriffen, forderte den einen oder anderen schon heraus.

Am abenteuerlichsten war eine Adventure Tour durch eine Tropfsteinhöhle. Auf dem Bauch liegend durch Wasser und Matsch war schon etwas Besonderes. Da der Informationsfluss gerade hier nicht so gut war, hatten die meisten der Teilnehmer Flipflops, Clogs oder Turnschuhe ohne ein besonderes Profil an. Hier war während der Tour das eine oder andere Mal eine ausgeklügelte Improvisation angesagt. Glücklich, nass und schmutzig kamen alle wieder wohlbehalten ans Tageslicht. Ein besonders bewegender Programmpunkt war der Besuch des Kindergartens und der Grundschule der Gemeinde Geisei. Die Kinder hatten Lieder und Musikstücke eingeübt und vorgetragen. „Das gibt ein Gänsehautgefühl“ war die einstimmige Meinung unter den Deutschen Teilnehmern. In einem Buddhistischen Tempel konnten alle an einer kurzen Gebetszeremonie teilnehmen. Anschließend beantwortete der Priester geduldig alle Fragen. Der erste Familienaufenthalt war schnell vorbei. Trotz der kurzen Zeit haben die Jugendlichen emotionale Bindungen mit den Gastfamilien geschlossen. Besonders die Kinder der japanischen Familien haben es den jungen Menschen angetan. Gemeinsam spielen, lachen oder Ausflüge unternehmen, fand durchweg bei allen Beteiligten guten Anklang.

Auch die erste regionale Sayonara Party in der Präfektur Kochi haben alle gut überstanden. Das ausgezeichnete Büffet hatte sicherlich mit dazu beigetragen. Viele japanische Spezialitäten und westliche Gerichte bildeten eine bunte Vielfalt. In der zweiten Präfektur (Ehime) konnten sich die Jugendlichen mit japanischen Kindern und Jugendlichen bei einem Sport- und Spielabend richtig austoben. Aber auch die gemeinsame Diskussion zum Jahresthema war sehr interessant und umfangreich.

Nach anfänglicher Befangenheit nutzten die Japaner die Möglichkeit viele Fragen an die Deutschen zu richten. Gerne wurden diese beantwortet und Gegenfragen gestellt. Ein bewegender Programmpunkt war auch der Besuch des Museums und des Friedensparks in Hiroshima. Beeindruckende Bilder, Geschichten und Informationen brachten alle zum Nachdenken. Für die Gruppe blieb kaum Zeit zum Verschnaufen. Das Programm ist mit vielen Highlights regelrecht voll gestopft. Schon ging es weiter zur nächsten Gastfamilie. Die Aufnahme wurde mit einer herzlichen und folkloristischen Zeremonie gestaltet. Alle Jugendlichen sind dankbar, dass hier viele Gastfamilien sehr gut Englisch können. Nach einem Höflichkeitsbesuch beim Bürgermeister der Stadt Toon, waren die nächsten Programmpunkte Snowboard fahren und eine Ruderboot Tour auf einem Stausee. Zwischendurch können sich die Teilnehmer immer wieder in den Onsen, den heißen Quellen, erholen und relaxen.

Nach einem bewegendem Abschied von den Gastfamilien, ging es weiter zur Präfektur Kagawa. Hier wurde die Gruppe im Grand Hotel empfangen. Bei einem gemeinsamen Mittagessen konnten alle schon ihre neuen Gastfamilien kennen lernen. Den Rest des Tages verbrachten alle beim Familienprogramm. Am Abend konnten die Jugendlichen am Sommerfest teilnehmen. Philipp Hannappel konnte sich dank seiner Größe auch aktiv mit einbringen. Hier galt es ca. 3 Tonnen schwere Schreine durch die Straßen zu tragen. Ein weiteres Highlight war die Besichtigung der 20 km langen seto – ohashi Brück, die Shikoku mit Honshu verbindet und die Zubreitung von Udon – Nudeln. Weiter standen noch Kendo, Schwimmen, Origami und Tayjaki – Essen auf dem Programm. Zwischendurch gab es immer wieder Auszeiten. Hier konnten die jungen Leute gemeinsam mit ihren Gastfamilien individuelle Aktivitäten unternehmen. Höhepunkte dabei waren mit Sicherheit Bungeejumping, Kendo - Einzeltraining und viele Aktivitäten im Freien. Zur Sayonara – Party am Abend hatten die Gastgeber ein tolles Programm erarbeitet. Neben einer Katana no Kata, einem Schaukampf mit dem Samureischwert, und einem Drachentanz, gab es viele Reden, und die Selbstdarstellung der Deutschen Gruppe. Diese Selbstdarstellung gehört auch zur Vorbereitung der Gruppen in Deutschland. Unsere Gruppe hatte sich für das Märchen „Hänsel und Gretel“ entschieden. Begleitet vom Märchenerzähler Leonard Malinowasky, der die Geschichte in Japanisch vortrug, sang die Gruppe die deutschen Kinderlieder zur Märchenoper. Anschließen wurden die Japaner mit einem japanischen Abschiedslied überrascht.

Den Abend ließen die jungen Leute mit den Gastkinder in einer Karaokebar ausklingen. Am nächsten Morgen ging es weiter zur vierten und letzen Präfektur. In der Hauptstadt Tokushima wurde die Jugendlichen im Skyrestaurant des Hotels Clement mit einem Gourmetmenu empfangen. Bei Jakobsmuscheln und einem ausgezeichnetem Kuchenbuffet lernten alle ihre nächsten Betreuer kennen. Dann ging es weiter in den Süden zur Stadt Mugi. Hier wurden alle den Gastfamilien vorgestellt. Am nächsten Tag ging es zur Insel Debajima. Da nun schon der dritte Taifun über Japan tobte, hatten sich alle an verschiedene klimatische Ausnahmezustände gewöhnt.

Bei ca. 90 % Luftfeuchte und 35 – 37 °C war dann der Ausflug in den Beinahdschungel eine willkommene Abwechslung. Wegen der üppigen Vegetatur, den Palmen Hainen und den Bambuswäldern wurde dieser Ausflug kurz Dschungelwanderung getauft. Aber auch moderne Errungenschaften konnten hier besichtigt werden. So gab es eine riesige Plattform, welche die Dorfbewohner bei einer Tsunamiwarnung aufsuchen können. Am Abend gab es Okonumiaki, eine Art Pizza oder Puffer, die selbst gebrutzelt werden mussten. Zur Dämmerung ging es zur Grundschule. Hier wurde das Laternenfest gefeiert. Dafür hatten alle Kinder wunderschöne Laternen gebastelt. Am letzten Tag in Mugi war Strandfeeling angesagt. Ein ganzer Tag am Pazifik. Morgens konnte ausgiebig gebadet werden. Am Nachmittag stand Muschelsuche und Schnorcheln in der Brandung auf dem Plan. Am Abend wurde sich mit einer traditionellen Sayonara Party verabschiedet. Alle saßen ganz nach japanischem Stil auf Tatamimatten am Boden. Mit einem leckeren japanischen Essen klang der Abend aus. Am nächsten Morgen ging es noch einmal für einen Tag in die Hauptstadt der Präfektur Tokushima.

Hier wurden alle den Seniorleaders vorgestellt, die gemeinsam mit den Deutschen Jugendlichen Kyudo spielten. Kyudo zählt zu den traditionellen japanischen Sportarten. Es handelt sich um eine Art Bogenschießen. Dabei zählt nicht so sehr das Treffen sondern der Weg dahin. Die komplizierte Philosophie war dann auch nicht jedermanns Sache. Leider wurde durch die Auswirkungen des Taifuns das Programm etwas verändert und viele Jugendliche aus Japan konnten wegen heftiger Regengüsse und großer Überschwemmungen nicht mehr am Programm teilnehmen. Dennoch hatten alle gemeinsam viel Spaß, besonders, da sich einige der japanischen Jugendlichen als Teilnehmer des 37. Austausches 2010 outeten. Am nächsten Morgen stand nicht eindeutig fest, dass die Weiterreise der Gruppe auch wirklich gesichert war. Der Taifun wütete schon mehrere Stunden über der gesamten Flugstrecke von Tokushima nach Tokyo.

Nach 2-stündiger Verspätung konnten nun endlich die ersehnte reise nach Tokyo antreten. Tokyo – die Erwartung aller Jugendlichen des Austausches. Eine Megastadt mit mehreren Stadtkernen. Jeder hat seinen eigenen Schwerpunkt. So ist Asakusa für seine Tempelamlage und der Tourishopping Meile, Akihabara als Elektronik City, Shibuya als Teenager Viertel mit Boutiquen und Clubs, Harajuku für seine „außergewöhnlichen Modetrends“ und Shinjuku für sein Rathaus bekannt. Hier sind nur einige der Punkte auf den Listen der jungen Leute genannt. Am vorletzten Abend ist die gesamte Gruppe mit ihrer Dolmetscherin noch einmal gemeinsam Sushi essen gegangen. Ein toller Abschluss einer sagenhaften Reise mit einer super Gruppe.