Heisse Rhythmen und spruehende Lebensfreude

Wallmerod/Niederahr. Die Kinderkulturkarawane machte mit Unterstützung des Kulturbüros Rheinland Pfalz halt im Westerwald. Der Kulturförderverein und die Jugendpflege der Verbandsgemeinde Wallmerod hatten die Gruppe Shangilia aus Kenia eingeladen.

Kinder und Jugendliche im Alter von 12 – 17 Jahren aus dem afrikanischen Land begeisterten jung und alt mit einem bunten Programm. Während ihrer Deutschlandtournee ist die Gruppe ist nur eine Woche in Rheinland Pfalz. Farbenprächtige Kostüme, landestypische Instrumente, herrlicher Gesang, energiegeladene Tänze und akrobatische Darbietungen zogen von Anfang an die Besucher in ihren Bann. Die Besucher hatten keine andere Möglichkeit als mit irgendeinem Körperteil im Takt mitzuwippen – der afrikanische Rhythmus war einfach zum Greifen nah. Die fröhlichen Gesichter und die strahlenden Augen der jugendlichen Akteure zauberten auch den Zuschauern in der Halle ein Lächeln ins Gesicht. Die jungen Zuschauer waren ganz besonders von den artistischen Einlagen der jungen Kenianern angetan. Aber auch Mitmachen war bei dem tollen Programm ein Muss. Die Kinder wurden schnell mit in die afrikanische Welt geholt und durften einen afrikanischen Tanz ausprobieren.


Das einstündige Programm ging wie im Flug vorbei. Mit standing ovations und einer Zugabe wurde die Vorführung beendet. Zum Schluss stellten sich alle Akteure mit Namen, Alter und Jahrgangsstufe ihrer Schule vor. Besonderes Highlight war die Fragestunde. Alle Besucher konnten ihrer Neugierde freien Lauf lassen. Geduldig wurden alle Fragen beantwortet. So erhielten die deutschen Zuschauer einen Einblick in den Alltag der jungen Afrikaner. Auf die Frage wie es ihnen hier in Deutschland gefallen würde, kam die einstimmige Antwort: Gut bis auf die sibirischen Temperaturen. "Shangilia mtoto wa Africa" bedeutet soviel wie "Freue Dich, Kind Afrikas" Hinter dem Namen verbirgt sich ein Projekt, das 1994 entstand, als die Schauspielerin Anne Wanjugu einen Film mit Straßenkindern in Nairobi drehte. Sie war fasziniert von der schauspielerischen Begabung dieser Kinder und dies veränderte ihr Leben.

Heute ist Anne Wanjugu "Mutter" von 235 Straßenkindern, die entweder Waisen sind, von ihren Eltern verjagt oder zum Betteln geschickt oder bestenfalls "nur" im Stich gelassen wurden. Fast alle können weder lesen und schreiben, weil niemand das Schulgeld für sie bezahlte, was in Kenia notwendig ist.

Annes pädagogisches Konzept ist einfach: Die Kinder müssen Selbstvertrauen bekommen, sie müssen spüren: Wir sind genauso viel wert wie andere Menschen. Sie spielen Theater und bekommen Beifall. Sie leben in bescheidenen Verhältnissen. Nicht jedes Kind hat ein eigenes Bett. Aber 20 Kinder können eine offizielle Schule außerhalb des Heims besuchen und dort ein Abschlussdiplom erwerben. Sie möchten Schreiner, Autoschlosser oder Lehrer werden und haben jetzt eine Chance, ihre Träume umzusetzen. Für ganz besonders begabte und auch fleißige Schüler bietet sich die Möglichkeit mit auf Tournee zu gehen. Niederahr war einer der Orte auf ihrer diesjährigen Tournee durch Deutschland.